| Supermarkt – ein Vorwort
Supermarkt ist als eine Dauerausstellung konzipiert und angelegt. Den Katalog dazu liegt nun vor. Die Ausstellung ist als eine radikale Fortführung des Ready-made Konzeptes Duchamps zu verstehen. Die Konzeption dieser Ausstellung orientiert sich konsequent am Vorgefundenem. Es gibt keinen Eingriff durch mich, wie er zB. Durch Guillaume Bijl vorgenommen wurde Guillaume Bijl ließ einen Supermarkt akribisch genau mit echten Waren im Museum aufbauen. Als simulativer Zwitter machte er dadurch aufmerksam, wie fragwürdig die Identität der Dinge generell ist und wie wenig wir das, was wir täglich sehen, wirklich begreifen. Mir geht es nicht nur darum,
sondern ich hinterfrage die Form unserer Beziehungen zu den Dingen.
Kunst braucht Rezipienten, findet aber wenn erfolgreich Konsumenten. Ein erschöpfender Akt – Empfangende werden zu Verbrauchern – aus! Der Supermarkt ist also die ideale Bühne einer zeitgemäßen Kunst, die keine Bühne braucht, die keinen Künstler braucht, die sich einer radikalen Mimesis unterzieht, aber dennoch immer wieder alltäglich erfolgreich ist. Der Supermarkt gehört nicht in das Museum, sondern das Museum gehört in den Supermarkt. Die Künstler dort sind Aktien, die an den Börsen der Museen gehandelt werden. Es gelten die Marktmechanismen: Investitionssicherung, Angebot/Nachfrage, Konzentrationsmechanismen, Markenbildung, etc. ... Es ist also Konsequent, die Ware als Ware zu präsentieren, sie gilt es zu bewahren. Die Konserve garantiert Unsterblichkeit. Der Supermarkt ist der heimliche Sieg über den Tod. Der Supermarkt ist nie versiegende Quelle. Seine Produkte gehören zu den grundlegendsten, wichtigsten unserer Zeit. Eine Institution, deren Regeln nicht umgangen werden können. Der Supermarkt ist der Ort mit der höchsten Frequentierung, aus allen Bevölkerungsschichten, keine museale Institution verzeichnet einen solchen Besucherandrang. Eine Dokumentation dieser Ausstellung, ihren gewichtigen Stellenwert auf dem Markt einen gebührenden Rahmen zu geben war längst überfällig. Ich hoffe diese Dokumentation kann etwas von dem bewahren, was eine solch überwältigende, kulturelle Wertschätzung erfährt. Duchamp bewies: Der Künstler kann auf die Gestaltung eines Dinges verzichten, Dinge werden als Kunst durch Ihn definiert (Flaschentrockner). Die Form in der ein Ding zur Kunst wird ist entscheidend. Kommentar (grüne Schachtel) und Werk können räumlich, zeitlich auseinanderfallen. Ich möchte hinzufügen, daß auf Autorenschaft im Kontext des Marktes verzichtet werden kann. Handelsnamen existieren schon genug. Wer die Ware herstellt ist doch egal – der Verkauf (Markt, Markenname) definiert den Wert. Ich finde mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit dem Wandel, mit dem Übergang, sowie mit der Frage nach dem eigenen Bild, nach der eigenen Identität konfrontiert. Meine Beziehung zu der Öffentlichkeit bedarf der Erneuerung. Ein Schritt dazu sei hiermit getan. Hannover, den
28. Dezember 1998
Tobias Hoffmann
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