Bedeutung
Nam June Paik war ein Pionier der Videokunst. Er war ursprünglich Musikkomponist und studierte bei Karlheinz Stockhausen in Köln. Erst später, als Mitglied der Fluxus-Bewegung?, wurde er bildender Künstler. 1962 installierte er in der Wuppertaler Galerie Parnaß 13 Fernsehgeräte mit technisch manipulierten Schirmbildern. Nam June Paik war von 1979 bis 1996 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, lebte aber hauptsächlich in New York. Paik wird immer wieder „Vater der Videokunst“ genannt. Das ist falsch. Les Levine schuf die erste Closed-Circuit-Installation?, und auch Wolf Vostell arbeitete zumindest zeitgleich an der technischen Manipulation von Bildröhren. Paik verstarb am 29. Januar 2006 im Alter von 73 Jahren in Miami/ Florida.
Leben
Nam June Paik stammt aus der Familie eines koreanischen Stahlunternehmers, die zu Beginn des Koreakrieges 1950 nach Tokio floh. Hier studierte Paik von 1952 bis 1956 westliche Ästhetik, Musik- und Kunstwissenschaften. In seiner Abschlussarbeit setzte er sich mit Arnold Schönberg auseinander. Im selben Jahr setzte Paik sein Musikstudium (Musikgeschichte) an der Münchner Universität fort und studierte darüber hinaus Komposition bei Wolfgang Fortner an der Musikhochschule Freiburg. Ende der 50er Jahre experimentierte er mit Karlheinz Stockhausen im Kölner WDR-Studio mit elektronischer Musik. Er versuchte, neue Wege für die Musik zu finden, inspiriert wurde er dabei von dem US-amerikanischen Komponisten John Cage, dem er als Teil einer Aufführung von Stockhausens Komposition Originale die Krawatte abschnitt. Danach entwickelte Nam June Paik das Konzept der „Aktionsmusik“, bei der auch Instrumente zertrümmert und zufällige Geräusche mit klassischen Klängen gemischt wurden.
Als Mitglied von Fluxus trat er in den frühen 1960er Jahren mit diversen Performances auf, gelangte auf diesem Weg zur experimentellen Kunst und schließlich zur Arbeit mit Fernsehern als Kunstobjekten. Zunächst arbeitete er nicht mit Video, sondern manipulierte Fernseher, so dass sie das vorhandene Fernsehprogramm verändert und verzerrt wiedergaben. Er baute auch Klanginstallationen mit experimentell modifizierten Schallplattenspielern und Tonbandgeräten. Nachdem Sony in den späten 60er Jahren erschwingliche Videokameras und -rekorder auf den Markt brachte, ging er dazu über, auch Videobänder zu produzieren. Bei einem „24 Stunden-Happening“? mit Joseph Beuys verkündete Paik: „Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert, jetzt schlagen wir zurück“.
Gemeinsam mit dem japanischen Ingenieur Shuya Abe entwickelte er einen analogen Videosynthesizer, mit dem Fernseh- und Videobilder technisch - z.B. mit Farbveränderungen - manipuliert werden konnten. Die mit dem Videosynthesizer manipulierten Bilder wurden Grundlage seiner Videoinstallationen und Videobänder. Sein Video „Global Groove“ von 1973 nahm die Ästhetik von Musikvideos vorweg.
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren arbeitete er viel mit der Cellistin Charlotte Moorman zusammen. Bei einer Performance 1967 in New York, bei der die beiden Künstler halb nackt aufgetreten waren, wurden sie von der Polizei festgenommen.
Seit 1980 erstellte Paik hauptsächlich Multi-Monitor-Videoinstallationen?, in denen er Fernsehmonitore zu Skulpturen anordnete und mehrere Videosequenzen auf ihnen simultan mit rhythmischen Umschaltungen abspielte. 1982 erregte Paik durch eine spektakuläre Installation aus 384 Monitoren im Pariser Centre Pompidou Aufsehen. 1988, bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul präsentierte der Koreaner mit einem Medienturm aus über 1.000 Monitoren mit dem Titel „The More The Better“ ein noch größeres Kunstobjekt.
Nam June Paik wurde US-Bürger und heiratete die Videokünstlerin Shigeko Kubota. Sein Schaffen wurde mit zahlreichen Einzelausstellungen und Preisen gewürdigt. Viele seiner Objekte und Installationen sind in prominenten Museen zu besichtigen.
